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Gut neun Millionen Euro für SFB

Der Sonderforschungsbereich »Gentelligente Bauteile« des Produktionstechnischen Zentrums (PZH) der Leibniz Universität geht mit Bestnoten in die zweite Runde.

Die Freude am PZH war riesengroß, als am gestrigen Dienstag grünes Licht von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kam: Der Sonderforschungsbereich 653, »Gentelligente Bauteile im Lebenszyklus«, wird für weitere vier Jahre mit insgesamt gut neun Millionen Euro gefördert. »Die Begutachtung durch die DFG im Februar verlief wirklich exzellent«, sagt Prof. Berend Denkena, Sprecher des SFB und Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen am PZH, »aber jetzt schwarz auf weiß die Zusage zu haben, ist natürlich toll.«

»Leuchttürme unter den Antragstellern«, eine »internationale Spitzenstellung« bei einem »hochinteressanten Gesamtthema« und eine »weitsichtige Vision, die zehn bis 20 Jahre in die Zukunft reicht«, hatten die Gutachter der DFG nach zwei Tagen eingehender Prüfung den etwa 35 Beteiligten des Sonderforschungsbereichs bescheinigt. Deren Vision hört sich tatsächlich erst mal phantastisch an: Das gentelligente Bauteil, das Ziel der Forscher, soll ein wissendes, fühlendes, sich anpassendes und kommunizierendes Bauteil sein. Dazu sollen die Bauteile zwei Prinzipien der Natur – Vererbung und lebenslanges Lernen – nutzen.

Und weil sich das wie Science Fiction anhört, steuern die Maschinenbaupioniere ein paar konkrete Beispiele bei, um die Idee hinter der Grundlagenforschung greifbarer zu machen. »Stellen Sie sich den Querlenker im Auto vor«, fordert Leif-Erik Lorenzen auf, der Geschäftsführer des SFB, »wir fertigen ihn aus Standardblech, drücken eine kleine Delle hinein, und schon speichert der Querlenker allein durch die Materialeigenschaften an dieser Delle die Belastung, der er beim Fahren ausgesetzt ist. Eine mögliche Überlastung kann er sehr einfach mitteilen: Man hält einfach ein Wirbelstrommessgerät daran.« Diese Idee ist einfach, sie funktioniert, ist allerdings noch nicht im Auto angekommen.

 Ein anderes Beispiel ist ein aus magnetischem Magnesium hergestelltes Fräswerkzeug (siehe Bild), dessen »fühlendes« Material die Prozesskräfte beim Fräsen erspürt und Werkzeugbruch sofort erkennt. Das Entscheidende daran: Bei den gentelligenten Bauteilen oder Werkzeugen fühlen nicht Sensoren, das Material selbst fühlt. Mehr ums Kommunizieren als ums Fühlen geht es beim Bauteil, das – ausgehend nahezu vom Rohzustand – durch die Werkhalle gefahren wird und jeder Bearbeitungsmaschine selbst mitteilt, wie es bearbeitet werden muss und wann es fertig ist.

Interesse an den Ergebnissen des SFB hat auch ein Unternehmen gezeigt, das für fehlerhafte Maschinenteile haften musste. Es konnte nicht nachweisen, dass es sich bei den defekten Teilen um Plagiate handelte; gentelligente Bauteile könnten sich in einer solchen Situation eindeutig ausweisen.

Hinter den Ausblicken in eine gentelligente Zukunft stecken klar formulierte Fragestellungen für die Wissenschaftler und Techniker aus den Instituten des PZH, aus zwei Elektrotechnik-Instituten und dem LaserZentrum Hannover e.V. Zum Beispiel: Wie kann man Fertigungsverfahren so einsetzen, dass sie Bauteile zu Informationsspeichern machen? Wie lassen sich Werkstoffeigenschaften für die Informationsgewinnung nutzen? Wie lassen sich Kommunikationsstrukturen zum Lesen, Schreiben und Verbreiten der Bauteilinformationen aufbauen?

Für zunächst weitere vier Jahre ist der Sonderforschungsbereich nun finanziert. Zeit, die gentelligente Zukunft ein gutes Stück näher zu holen.
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Zum Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH):

Das PZH ist 2004 aus der Idee der Leibniz Universität Hannover entstanden, Hochschulforschung, Industrie und Unternehmen der Produktionstechnik zusammenzusammenzubringen. So haben sich jene sechs Institute der Fakultät für Maschinenbau, die sich mit Produktionstechnik und Logistik beschäftigen, gemeinsam mit der PZH GmbH und zahlreichen Unternehmen zum Produktionstechnischen Zentrum Hannover zusammengeschlossen. Die GmbH als Universitätstochter übernimmt neben der Verwaltung des neuen Zentrums in Garbsen zahlreiche Aufgaben im Bereich Technologietransfer und Gründerberatung. Zurzeit arbeiten im PZH etwa 450 (Ingenieur-)Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und Angestellte in Technik und Verwaltung; außerdem rund 400 studentische Hilfskräfte. Das PZH ist eine Lehr- und Forschungsstätte, in der Grundlagen- und industrielle Auftragsforschung gleichermaßen auf höchstem, internationalem Niveau betrieben werden. Seit 2004 hat das PZH mehr als 85 Millionen Euro Drittmittel eingeworben.