ForschungAktuelle Projekte
MoBAStra – Modellbasierte Bestimmung der aus wirtschaftlicher und logistischer Sicht geeigneten Auftragsabwicklungsstrategie

MoBAStra – Modellbasierte Bestimmung der aus wirtschaftlicher und logistischer Sicht geeigneten Auftragsabwicklungsstrategie

E-Mail:  heuer@ifa.uni-hannover.de
Jahr:  2019
Förderung:  BVL, AiF, IGF, BMWi
Laufzeit:  11/2019 - 09/2021

Kurzbeschreibung:

Die Wahl der Auftragsabwicklungsstrategie hat unmittelbaren und auch mittelbaren Einfluss auf wichtige wirtschaftliche und logistische Zielgrößen in Produktionsunternehmen. Exemplarisch sind Lieferzeit, Liefertermintreue bzw. -einhaltung, Rüstkosten oder Kosten für die erforderliche Kapazitätsflexibilität zu nennen. Mit dem Forschungsvorhaben MoBAStra werden Unternehmen bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich der Auftragsabwicklungsstrategie durch eine ganzheitliche Quantifizierung der Wechselwirkungen unterstützt, wobei die beiden grundlegenden Auftragsabwicklungsstrategien make-to-stock und make-to-order sowie Mischstrategien betrachtet werden.

Ausgangslage:

Die Auswahl einer aus wirtschaftlicher und logistischer Sicht geeigneten Auftragsabwicklungsstrategie spielt zur Realisierung möglichst effizienter und verschwendungsfreier Produktionsprozesse eine grundlegende Rolle. In der Praxis entscheiden sich viele Unternehmen für eine Auftragsabwicklungsstrategie nach qualitativen Kriterien oder nach Erfahrungswerten zumeist pauschal für bestimmte Artikel und Auftragsarten oder fallweise für einzelne Aufträge. Die von der Wahl der Auftragsabwicklungsstrategie beeinflussten logistischen und wirtschaftlichen Zielgrößen sind jedoch entscheidend für den Unternehmenserfolg. Die Liefertermintreue bzw. -einhaltung und die Lieferzeit sind unmittelbar kaufentscheidende Kriterien für Kunden. Die Rüstkosten und die Auslastung der Produktionsbereiche (Mitarbeiter und Anlagen) wirken sich signifikant auf die Herstellkosten der Produkte und somit auf die Produktpreise aus. Die durch die Lagerhaltung von Fertigerzeugnissen sowie ggfs. Baugruppen oder sonstiger Halbfertigwaren erzeugten Bestandskosten wirken sich auf die Gemeinkosten des Unternehmens aus und sind somit direkt erfolgswirksam. Die Wahl der Auftragsabwicklungsstrategie beeinflusst folglich die Herstell- und Logistikkosten sowie die Logistikleistung und ist somit für die Wettbewerbsfähigkeit von größter Wichtigkeit. Insbesondere in KMU existieren für die Herleitung solcher Entscheidungen jedoch meist keine eigenständigen Planungsabteilungen. Die Verantwortung liegt oftmals sogar bei Mitarbeiter/innen mit einem anderen Haupttätigkeitsfeld, denen folglich lediglich begrenzt Zeit und Erfahrung zur Verfügung stehen. In der Wissenschaft werden die Problemstellung der Auftragsabwicklungsstrategieauswahl und damit verbunden die Positionierung des Kundenauftragsentkopplungspunkts bereits seit Längerem untersucht. Zur Vereinfachung werden dabei jedoch oft Annahmen getroffen und entscheidungsrelevante Kriterien teilweise nicht berücksichtigt. Zudem finden sich in der Literatur nur vereinzelt Regeln zur Quantifizierung des Einflusses solcher Kriterien.

Zielsetzung:

Ziel des Forschungsvorhabens MoBAStra ist die Entwicklung eines umfassenden Entscheidungsunterstützungsmodells, welches dem Anwender ein nachvollziehbares, quantifiziertes Ergebnis zur Wahl der Auftragsabwicklungsstrategie liefert. Hierfür sind die Auswirkungen verschiedener Auftragsabwicklungsstrategien auf wettbewerbsrelevante Zielgrößen, wie z.B. Herstellkosten (Auslastung, Rüstkosten), Bestandskosten, Termintreue sowie die dafür erforderliche Kapazitätsflexibilität, zu quantifizieren, vorhandenen logistischen Modelle in Zusammenhang mit der Auftragsabwicklungsstrategie zu bringen und Modelllücken zu schließen.

Vorgehensweise:

Dem Forschungsvorhaben liegt folgende Arbeitshypothese zugrunde:

„Durch die Kombination verschiedener logistischer Modelle ist es möglich, die Auswirkung der Auftragsabwicklungsstrategie auf wirtschaftliche und logistische Zielgrößen allgemeingültig mathematisch zu modellieren. Unternehmen werden so befähigt, aufwandsarm eine ganzheitliche, transparente und wirtschaftliche Entscheidung bei der Wahl der Auftragsabwicklungsstrategie zu treffen.“

Um das beschriebene Forschungsziel zu erreichen, werden im ersten Schritt einzelne bestehende mathematische Modelle erweitert und neue Modelle zur Beschreibung spezifischer Wirkzusammenhänge entwickelt. Hierfür werden bestehende, in Wissenschaft und Praxis etablierte Modelle (bspw. Termineinhaltungskennlinien, Servicegradkennlinien oder multikriterielle Losgrößen-bestimmung) genutzt. Im zweiten Schritt erfolgt durch die gezielte Kombination verschiedener einzelner logistischer und betriebswirtschaftlicher Modelle die Entwicklung eines umfassenden und allgemeingültigen Gesamtmodells. Dieses Gesamtmodell ermöglicht die Quantifizierung der Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Auftragsabwicklungsstrategien und den resultierenden wirtschaftlichen und logistischen Zielgrößen. Die Umsetzung des Gesamtmodells in einen anwenderfreundlichen Software-Demonstrator ermöglicht Unternehmen, eigenständig ihre innerbetrieblichen Lieferketten zu analysieren und eine wissenschaftlich fundierte Entscheidung hinsichtlich der Auswahl der Auftragsabwicklungsstrategie zu treffen.

Kooperationspartner:

Institut für Produkt- und Prozessinnovation (PPI) der Leuphana Universität Lüneburg

Förderung:

Das IGF-Vorhaben 20906 N der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. wird über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) im Rahmen des Programms zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.