Ein Trichter mit bunten Fetzen Ein Trichter mit bunten Fetzen Ein Trichter mit bunten Fetzen Ein Trichter mit bunten Fetzen © AdobeStock

Das Trichtermodell - eine belastungsorieterte Fertigungssteuerung


Was ist das Trichtermodell

Das Trichtermodell ist in der Praxis ein weitverbreitetes Modell zur Abbildung von Prozessen in der Produktion. Es wurde 1981 von Bechte an der Leibniz Universität Hannover entwickelt.

In Analogie zu verfahrenstechnischen Fließprozessen wird bei dem Trichtermodell die Abbildung der Eingangsgrößen (Bestand und Ausgangsgrößen) angestrebt. 

Dabei soll jede Kapazitätseinheit dargestellt werden können, die im Fertigungsprozess auftritt. Die Voraussetzung hierfür ist, dass die Kapazitätseinheit den Fertigungsprozess vollständig beschreibt.

 

Als Trichter lassen sich zum Beispiel :

  • Einzelarbeitsplätze,
  • die gesamte Fertigung  und
  • Kostenstellen abbilden.

Auftragsdefinition und Dringlichkeitsstufen

Das Trichtermodell wird hierzu nach Dringlichkeitsstufen aufgeteilt. Nach dieser Auffassung bestimmt die Auftragslage die Dringlichkeit der Bearbeitung des Auftrages, der durch den Trichter läuft.

  • Eilauftrag: Fertigung von 200 modifizierten Modellhubschraubern, Lieferterminzusage binnen 2 Wochen, Gewinnmarge hoch 
  • Normalauftrag: Fertigung von 500 Modellhubschraubern (Standardausführung), Liefertermin 3 Monate, Gewinnmarge mittel
  • Weniger wichtiger Auftrag: Fertigung von 150 Modellhubschraubern (alte Ausführung), Liefertermin 6 Monate, Gewinnmarge niedrig
  • Liegengebliebene Aufträge: Fertigung von 500 Modellhubschraubern (Ausführung, die nicht mehr aktiv produziert wird, aber als Reserve dienen), Liefertermin nicht vorgegeben!

Eingang – Warteschlange – Ausgang

Eingang: Auftrag 1 (Eilauftrag), Auftrag 2, Auftrag 3, 

Alle ankommenden Lose (z. B. Modellhubschrauber modifiziert und alte Ausführung) bilden mit den bereits dort liegenden Losen (z. B. Modellhubschrauber Standardausführung) die wartenden Aufträge ab. 

Warteschlange: Auftrag 2 (Normalauftrag), Auftrag 3, 

Jedes ankommende Los trifft zuerst auf eine Warteschlange und wird erst bearbeitet, wenn der Auftrag 1 (Eilauftrag) abgearbeitet wurden. 

Zur Verdeutlichung dienen im Folgenden die Aufträge 2 und 3. Diese sind als Normalauftrag (Auftrag 2) und weniger wichtiger Auftrag (Auftrag 2) deklariert. Beide Aufträge besitzen eine Lieferterminzusage. Das bedeutet, dass neben dem Auftrag 1 die Aufträge 2 und 3 ebenfalls dringlich zu fertigen sind. Durch das Zusammentreffen der Aufträge im Trichter staut es sich an der Trichterverengung, in der entschieden wird, welcher Auftrag als Nächstes bearbeitet werden muss. An dieser Stelle entsteht die sogenannte Warteschlange. 

Leistung (Output): Eilauftrag

Dieser Bestand an Aufträgen fließt nach erfolgreicher Bearbeitung zuerst aus dem Trichter und bildet anschließend die
Leistung ab. Sobald der Eilauftrag vollständig abgeschlossen ist, folgen Auftrag 2 und Auftrag 3. 


Zugang, Bestand und Abgang

Beim Trichtermodell geht man davon aus, dass jede beliebige Kapazitätseinheit einer Fertigung durch die Größen ZugangBestand und Abgang in seinem Durchlaufverhalten vollständig beschrieben werden. Dadurch lässt sich jede Kapazitätseinheit als ein Trichter darstellen lässt. 

Die am Arbeitssystem ankommenden Lose bilden zusammen mit den bereits vorliegenden Losen einen Bestand an wartenden Aufträgen ab. Die Trichteröffnung beschreibt dabei die Leistung des Arbeitssystems, welche innerhalb der Kapazitätsgrenzen verändert werden kann.

 

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Quelle

Nyhuis, P., Schmidt, M. (2025): Logistische Modelle der innerbetrieblichen Lieferkette,  Springer Vieweg: Berlin, DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-70758-6, ISBN: 978-3-662-70757-9